Am Anfang

 

Am

Anfang

Nicht das Wort

Sondern

Die Frage

Soll ich

Oder soll

Ich nicht

?

 

 

 

Mit der Nachbarin...

 

Ein feines Summen in den Ohren

Und es bereitet mir schon Sorgen:

Ich fühl mich nicht ´wie neugeboren`

An diesem regnerischen Morgen.

 

Und schon beim Kaffeezubereiten,

Ganz automatisch, ohne Eile,

Beginnt der Tag mir zu entgleiten,

Im Kampf vom Tun und Langeweile.

 

Womit soll ich zuerst beginnen?

Es ist Unzähliges zu leisten,

Den Haushalt hasse ich am meisten:

Er lässt zu schnell die Zeit verrinnen.

 

Es sind die abfälligen Blicke,

Die über die Unordnung gleiten,

Die mich zum Putzen doch verleiten.

Was sind wir doch für faule Stricke?

 

Als wäre Haushalt nur ein Spiegel

Vom Durcheinander meines Wesens,

Als gäbe es nur einen Siegel

Als Sinn im Unsinn meines Lebens.

 

Sie enden nie, die vielen Pflichten,

Die unentwegt den Alltag füllen,

Sie lassen mich im Gleichen wühlen,

Verhindern Neues zu errichten.

 

Dabei gibt es ganz viele Dinge,

Die mir viel wichtiger erscheinen,

Wo seid ihr, die das Gleiche meinen

Und wünschen, dass mir mehr gelinge?

 

                      *

 

Die Nachbarin schellt an der Türe,

Ich bitte sie hinein zum Plaudern,

Sie schaut sich um und ich verspüre

Beschämt ihr flüchtiges Bedauern.

 

Und während sie von Kindern plaudert,

(Das Thema wird wohl nie versiegen),

Verräum ich Dinge, die rumliegen,

Was bei dem Chaos recht lange dauert.

 

Ich schaff es nicht, nur zuzuhören,

Vermag es nicht, mich zu benehmen,

Muss ihren Redefluss zerstören

Und werd mich dessen später schämen.

 

Ich möchte Ähnliches erzählen

Und meine Kinder auch so loben,

An Beispielen soll es nicht fehlen,

Reale Welt ist leicht verschoben.

 

Denn Keiner mag von Andren hören,

Die fleißig sind und viel erreichen,

Und besser sind, wie sie es schwören,

Als die, mit denen wir vergleichen.

 

Um eigne Kinder kreist das Reden,

Die so begabt sind und so tüchtig,

Wir unterrichten davon Jeden,

Denn dieses Thema macht uns süchtig.

 

Wir sind bescheiden, trotz Vernarrtheit,

Das zu beweisen ist uns wichtig,

Als gäbe es nie einen Wettstreit

Und ´voll des Lobs` zu sein, wär richtig.

 

Wie kann man sich an etwas stören,

Das nur vom Positiven handelt

Und Neid empfinden, der beim Hören,

Das Gute negativ verwandelt?

 

Da spricht man gleich von solchen Dingen,

Die Jedermann ganz platt erscheinen,

Man kann davon ein Liedchen singen,

Man weiß davon im Allgemeinen:

 

„Der Stolz auf seine eignen Kinder,

Muss nicht dem Druck der Leistung weichen,

Nur nahes Ziel ist zu erreichen,

Nicht Jeder ist gleich ein Erfinder.

 

Denn jedes Kind hat andre Gaben,

Ist Ein und Alles seiner Eltern,

Man muss nicht eins im Zeugnis haben

Und eine drei gleich niederschmettern.“

 

Das erste Wort, die ersten Schritte,

Erlebten wir als einen Segen,

Stolz informierten wir gleich Jeden

Von diesem Schatz in unsrer Mitte.

 

Doch dann begann das ernste Leben,

Zensuren zwangen zu vergleichen,

Im Mittelpunkt steht nun das Streben,

Das Übrige muss diesem weichen.

 

Bald gibt es keine andre Themen,

Die Schule dominiert den Alltag,

Man muss sich immer wieder schämen -

Erholt man sich nach jedem Rückschlag?

                                                            

Man kann dem Kind nicht immer helfen,

Zu motivieren wäre wichtig,

Und nicht ihm etwa vorzuwerfen,

Dass nichts, was es vermag, sei richtig.

 

Die Schule ist ein Stock voll Bienen,

Es wird gelernt, doch oberflächlich,

Die Antwort soll der Frage dienen,

Verstehen ist meist nebensächlich.

 

Was möchte man tatsächlich wissen?

Wenn Noten bloß Attrappen wären,

Wer würde Bildung noch vermissen?

Wie kann man es sich sonst erklären,

 

Dass Glück und Zufall nur regieren,

Als sei der Lernzweck ganz vergessen?

Dass wir die Neugierde verlieren?

Will man zum Schein die Leistung messen?

 

Wofür sind Noten da, seid ehrlich,

Was fördert die gerechte Haltung

An der persönlichen Entfaltung?

Ist Konkurrenz so unentbehrlich?

 

Es scheint wohl Niemand zu bemerken,

Dass Lob an Andere nur Neid schürt,

Wenn ungeachtet eigner Stärken,

Man selbst für diese keinen Stolz spürt.

 

Wie schafft ihr es, zu motivieren?

Ihr lobt nur allerbesten Werke,

Gebraucht wird Lob für jede Stärke,

Um sie nicht gänzlich zu verlieren.

 

Genug davon! Banalitäten,

Die Einem wesentlich erscheinen,

Kann man so weiter runterbeten

Und doch nichts wirklich Neues meinen.

 

Die Nachbarin muss endlich weiter,

Mein Kopf ist leer mit Nichtigkeiten,

Gerede macht uns nicht gescheiter,

Ich muss bald Essen zubereiten.

 

So viel zu meinen hehren Zielen,      

Der Tag fing an und eilt nun weiter,

Nichts außer Sprüchen, und zwar vielen,

Doch keins davon ein Wegbereiter.         

 

P.S.

Es gibt ganz tolle Pädagogen,

Auf Fett verzichtende Pirogen

Und Säuger, die im Wasser leben...

Und manches Lob, umsonst vergeben;

So Mancher pfeift zwar auf Zensuren,

Verfolgt dann eben andre Spuren;

Ein Schulsystem, ist es daneben,

Lässt sich mit Sprüchen nicht beheben.

 

Kritik ist immer schnell zur Stelle,

Klebt fest an jeder Bagatelle,

Von Allem kann man hier nicht schreiben,

Darf man stattdessen übertreiben?

Ich schmiede gleich das heiße Eisen

Und will auf folgendes verweisen:

Nichts wird serviert in ganzen Scheiben

Und Vieles wird wohl fraglich bleiben.

 

Es wird nicht etwa bloß gelogen,

Nur alles etwas überzogen,

Anscheinend habe ich Allüren,

Die auch mal in die Irre führen;

Ich hoffe, dass ich niemand quäle,

Wenn ich nichts Neues neu erzähle,

So werd ich Themen nur umkreisen

Und nicht zum Kern von Dingen reisen.

 

 

 

Hätte ich wohl gern...

 

Sie sind nun Riesen, meine Zwerge,

Ihr Wachstum hat sie transformiert,

Nun wachsen große Wäscheberge,

Nach Farbe etwas grob sortiert.

 

Es liegt an mir, sie abzutragen

Und es ist nicht besonders schwer,

Ich darf es nur nicht hinterfragen...

Nass, wiegt die Wäsche etwas mehr.

 

Ich fragte mal: könnt ihr mir helfen?

Die Antwort hat mich wohl verwirrt,

Zu Hilfe eilten kleine Elfen...

Ein T - Shirt  Aufdruck, doch geirrt!

 

 

 

Aller Anfang ist schwer

 

Es ist sehr praktisch, meine Söhne,

Die ich umsorge und verwöhne,

Die ich bekleide und belehre

Und die ich jeden Tag ernähre,

Verfügen über Fähigkeiten,

Die hilfreich sind bei Tätigkeiten,

Die rund um den Computer kreisen,

Hier können sie mich unterweisen:

 

Zum Beispiel möchte ich kopieren,

Es nervt mich alles zu markieren,

Ich muss es wiederholt probieren -

Den Aufwand können sie halbieren.

 

Ein Fehler wäre zu beheben,

Die Meldung bleibt am Bildschirm kleben,

Was ich auch tue, es geht daneben –

Sie sind es, die mir Hilfe geben.

 

Will ich die Zeit nicht mehr verschwenden -

Per Mail, WeTransfer versenden

Mal Doodle, Dropbox mal verwenden -

Know-how? es liegt in ihren Händen.

 

Ich krieche rum auf allen Vieren,

Sie können rundherum spazieren,

Im Internet leicht recherchieren,

Per Instagram kommunizieren

 

Und Wikipedia befragen

(Informativ in allen Lagen),

Musik und Texte runterladen

(Ein Spiel kann zwischendurch nicht schaden),

News lesen ( schneller als die Zeitung,

Verzögert ist meist nur die Leitung,

Ist auf You Tube ein Film zu sehen)…

Man braucht nicht vor die Tür zu gehen -

 

Es sei denn, in dem Nebenzimmer

Braucht Jemand Hilfe, so wie immer.

Mich nervt der Bildschirm samt dem Flimmern,

Ich schreib, es scheint sich zu verschlimmern... 

 

PS

Inzwischen - nicht nur aus Versehen -

Kann ich auch was für sie erstehen:

Auf ebay, günstig, Magickarte...

Ich biete, biete mehr und warte...

 

 

 

Perlen vor die Säue

 

den Bettel hingeworfen

 

Perlen aus Plastik

zu ihren Füßen

rosaschmutzputzig

 

rutschen ein Paar Säuger aus

 

                *

 

und dessen ungeachtet

 

den Meisten: meistens

den Vielen: vielmals

den Manchen: manchmal

 

sind die Worte scheißegal

 

 

 

Beim Einkaufen

 

Liebe Nachbarn, habt ihr Zeit?

Seid ihr innerlich bereit,

Falsch und richtig scharf zu trennen?

Werdet ihr euch selbst erkennen?

Ist die Nachbarschaft ein Segen?

Meistens sagt man da: von wegen!

Lässt man sich vom Zorn verleiten,

Gibt es nur noch Streitigkeiten.

Und die Gründe? – meistens nichtig,

Jeder ist sich selbst nur wichtig,

Ist als Herr im Haus zu sehen,

Alles hat nur zu geschehen,

So, wie man es gerne hätte,

So, als ging es um die Wette!

 

Jeder könnte Nachbar sein!

Spreche ich zu allgemein,

Längst bekannte Sprüche häufend,       

Vorurteile giftig träufelnd,

Einen heißen Brei umkreisend,

Ja nicht auf die Tat verweisend?

Muss man das beim Namen nennen,

Was so leicht ist zu erkennen?

Schlimm genug, Prozess zu führen

Wegen läppischen Allüren,

Mehr noch ist nicht zu verachten

Das, was wir beim Tratsch betrachten:

Etwas, weder schnurz noch schnuppe,

Schwimmt haarsträubend in der Suppe!

 

Bei dem Condi, gleich vor Ort,

Traf man Nachbarn immerfort,

Welche in die Gegend schielten

Und sich innigst unterhielten;

Wenige, die sich beeilten,

Viele, die ganz gern verweilten

Ohne Takt- und Zeitgefühle:

So als hielte still die Mühle,

So, als würde nur besprochen

Und es gäbe nichts zum kochen.

Ein mal richtig aufgezogen,

Wurde keineswegs gelogen,

Doch das bisschen Übertreiben,

Lässt sich optional nicht bleiben.

 

Läden schlossen überall,

Condi blieb kein Einzelfall.

Tante Emma nickt verdrossen,

Wenn es heißt: man hat geschlossen!

Nun herrscht auf dem Platz die Stille,

Wo einst Opfer von Promille,

Sich ganz unverstanden fühlten

Und den Frust hinunterspülten.

Denn inzwischen steht kein Laden,

Das Geschäft ging leider baden.

Fehlten Wege? Fehlte Wille?

Nachbarschaft hielt leider stille,

Keiner hat Ersatz geschaffen

Und der Ort wirkt nun verschlafen.

 

Keiner hat es gerne schwer,

Also muss ein Auto her!

Zum Besorgen meiner Waren

Muss ich leider etwas fahren.

Hätte ich schnell einzukaufen,

Wäre es zu weit zum laufen

Und zu mühsam weit zu tragen.

Jeder steckt allein im Wagen,

Fährt dabei getrennte Wege,

Zahlt allein für Sprit Beträge.

In vier Wänden eingeschlossen,

Wird man irgendwann verdrossen!

Selten treffe ich Bekannte,

Nachbarn, Freunde und Verwandte.

 

Heute ist ein solcher Fall,

Denn es rumpelt auf ein mal,

Als sich Einkaufswagen rammen

Und Regale etwas schrammen.

Werden Zwischenwege schmäler?

„Tut mir Leid!“ und „Ist mein Fehler!“

Und man hat sich doch getroffen,

Kann auf die Gespräche hoffen

Bei dem Kreuzen vieler Wege

Auf dem Einkaufs-Lauf-Stege,

Spricht vom Wetter, Stress und später

Greift nach Milch und Hackepeter

Und erzählt sich kleine Zoten,

Beim Ergreifen von Schalotten.

 

Und es werde endlich Licht,

Eine Nachbarin in Sicht!

Eine ältere Gemeinschaft

Toppt die flüchtige Bekanntschaft,

Alles Neue lässt sich streichen,

Muss dem Altbewährten weichen:

„Hei, schon lange nicht gesehen!“

„Und wie geht`s?“ „Wie soll´s schon gehen?

Man verdient sich keinen Orden.“

„Kinder sind so groß geworden!“

„Große Kinder, große Sorgen...“

„Und was wird aus ihnen Morgen?“

„Mischst dich ein in ihre Sachen?

Lasse sie doch einfach machen!“

 

Jeder weiß genau da Rat,

Wo man selbst Probleme hat:

„Ja, ich weiß, du machst es richtig,

Nimm bloß Kinder nicht zu wichtig!

Es gab viel, was uns einst freute:

Komm doch einfach unter Leute,

Wirf dich nicht zum alten Eisen,

Lies ein Büchlein, geh auf Reisen,

Lass dich bisschen inspirieren,

Gehe ab und zu spazieren,

Oder gönn dir wieder Schoppen;

Ist egal, ob Filme floppen,

Erst ins Kino, dann zum Essen,

Ins Theater... was vergessen?“

 

Wagt man etwa Widerspruch?

Wäre kläglich, ein Versuch.

Um Bewusstsein zu erweitern,

Zum Verdrängen unser Scheitern,

Hilft es, auf Geschmack zu pfeifen

Und im Film sich zu vergreifen.

Auch ein Buch macht Leben schöner,

Man tritt nicht als Tagelöhner

´Stolz und Vorurteil` mit Füßen,

Austen, Powers lassen grüßen;

Hilfreich sind die Überlängen,

Will man etwas mehr verdrängen;

Manchmal hilft es einzuschlafen,

Dann erübrigt sich das Schaffen.

 

Doch zurück zum Anfang, stur

Folgen wir der selben Spur:

„Bei den vielen Interessen

 Darf man Kinder nicht vergessen.

Wenn sie etwas älter werden,

Gibt es andere Beschwerden.“

„Sei bloß strenger mit den Söhnen,

Es bringt nichts, sie zu verwöhnen,

In den häuslichen Belangen

Kannst du Beistand nun verlangen.

Hilfe bei den Hausaufgaben

Werden sie wohl nicht mehr haben?

Kommst du mit bei jedem Thema,

Bei Problemen, wie ´Dilemma`?“

 

So geht` s weiter, immerfort,

Kinderthema - Lieblingssport:

„Wichtig ist, dass sie nicht kränkeln!“

„Siehst du mehr von Hähnchenschenkeln?“

„Schau, hier drüben, in der Mitte.“

„Reichst du sie mir rüber, bitte?...

Sag, wo waren wir gerade?“

„Hast du es gehört?, so schade,

Nina musste wiederholen!“

„Es geschieht ihr Recht, verstohlen

Hat sie sich herumgetrieben,

Wäre doch daheim geblieben,

Lernte fleißig und bedächtig...“

„Ja, sie ärgert sich nun mächtig!“

 

Heute kommen wir spät raus,

Doch das macht uns gar nichts aus;

Wenn wir an der Kasse stehen,

Kann das Plaudern weiter gehen:

„Was geschah mit diesem Jungen?

Der hat Klasse übersprungen,

Aus der zweiten in die vierte,

Der Gymnasium anvisierte,

Einer von der schnellen Truppe?“

„Ach, vergiss es, ist doch schnuppe!

Konnte diesen Kerl nie leiden,

Meinte, sich zu unterscheiden

Von den Kindern seiner Klasse!

Grüßt auch keinen auf der Straße.“

 

Vor dem Laden angelangt,

Wird noch etwas abverlangt;

Wegzufahren wär gescheiter,

Doch Gerede geht noch weiter:

„Ja, wer will schon heute grüßen?“

„Früher hat man grüßen müssen!“

„Gibt` s mit Rainer noch Beschwerden?“

„Nein, aus ihm wird noch was werden,

Hätte er ein Paar Kontakte...

Und das ist ja das Vertrackte!

Und was will dein Sohn studieren?“

„Leider möchte er  pausieren,

Erst wird Praktikum beendet,

Dann wird Zeit für Kunst verschwendet.“

 

Ob die Neugierde hier fehlt?

Nur die Anteilnahme zählt.

„Hattest du Kontakt zu Karen?“

„Nur als sie zusammen waren.“

„Gingen sie getrenne Wege?

Und ich dachte, sie wär träge...

Es ist einfach nicht zu fassen,

Sie hat ihn demnach verlassen?“

„Das willst du nicht wirklich wissen.“

„Wird sie ihn nicht doch vermissen?“

„Mir war er zu oberflächlich.“

„Und die Kinder?“ „Wechseln täglich

Zwischen Oma und der Mutter,

Siehst du, alles ist in Butter!“

 

Manchmal lernt man was daraus,

Manchmal kennt man sich schon aus:

„Arme Karen, arme Seele...

Was ich keineswegs verhehle,

Sie hat sich das zuzuschreiben,

Wollte nicht ihr Gatte bleiben?

Eine kalte Schulter zeigend,

Statt zu reden trotzig schweigend

Bringt man Jedermann zu gehen...“

„Doch das musst du doch verstehen,

Er hat sie zuerst betrogen,

Und dann jahrelang belogen!“

„Und sie hielt das Haus so reinlich...“

„War sie da nicht etwas kleinlich?“

 

Gleiches Thema gleich im Ton,

Für den Wechsel - Finderlohn!

„Sagst du ´etwas`? - hast du Töne!

Ist `ne Zicke unsre Schöne,

Doch er ist charmant gewesen...“

„Hast du letztens das gelesen?

Nachbarhaus ist zu verkaufen,

Samt dem großen Unrathaufen.“

„Kann man etwas mehr verdrecken?

Denk doch nur an dieses Becken!“

„Ihm beliebt es ´Teich` zu nennen.“

„Einen Teich würd ich erkennen!

Er nennt ´Rasen` seine Wiesen,

Wegen diesen muss ich niesen!“

 

Allergiezeit ist vorbei,

Weiter geht die Plauderei:

„Und die Arbeit ruht im Garten?“

„Ja, wir müssten etwas warten,

Dann wird Obst zurückgeschnitten“,

„Hattet ihr denn heuer Witten?“

„Doch, das Bäumchen hat getragen,

Aber lass dich mal was fragen,

Wie hieß denn der eine Schreiner?,

Er war billiger als meiner,

Du warst damals sehr zufrieden“

„Der ist ebenfalls geschieden

Und ist leider weggezogen,

Diesmal hat sie ihn betrogen!“

 

Schleunigst weg von diesem Stoff,

Keine Lust auf Ehe - Zoff:

„Schreiner also... und weswegen?“

„Kinderzimmer haben Schrägen;

Einbauschränke, die gut passen,

Würden viel verstauen lassen.“

„Ja, ich kenne einen guten...

Mann, ich muss mich langsam sputen!,

Die Adresse werd ich finden;

Echt, ich muss mich nur noch schinden!

Letzte Zeit ist viel zu machen,

Immer gibt es neue Sachen,

Die erledigt werden müssten!,

Freie Zeit!, wenn`s Männer wüssten!...“

 

Aufgepasst! Sie bleibt nicht still,

Spricht zu viel, mehr als sie will:

„Ja, dann werde mal genauer!“

„Sprech ich davon, werd ich sauer,

Ich hab auch den Job im Laden,

Etwas mehr Geld kann nicht schaden,

Und dann sind da noch die Kinder,

Unsre allergrößten Schinder,

Putzen, waschen, spülen, kochen...

Von der Hilfe wird gesprochen,

Doch am Ende hilft dir keiner

Und die Arbeit wird nicht kleiner.

Kommt er heim, ist er erledigt,

Hockt vor Glotze oder predigt!“

 

Wird man etwas ungerecht,

Fühlt man sich anschließend schlecht.

Mit dem Schildern von Erfahrung,

Liefert man Gerüchten Nahrung

Und läuft dann ins offne Messer.

„Meiner weiß auch alles besser!

Und wie geht es deinem Rücken?“

„Tja, es geht nun ohne Krücken.“

Schwer fällt mir nur noch das Bücken.“

„Lass dich ja nicht so bedrücken,

Letztens war ich in der Klinik,

Zysten weg, umsonst die Panik!“

„Ja, der Mensch wird blass und älter,

Nur Wehwehchen, die behält er.“

 

Uns fällt bald nichts weiter ein

Und die Zeit drängt obendrein,

Noch ein Thema wird gelitten,

Und als Letztes angeschnitten:

„Und was kochst du heute Feines?“

„Einen Barsch, Moment, wie war es...

Kannst du ein Rezept empfehlen?“

„Es gibt einige zu wählen.“

„Du kochst lecker, ich dagegen...“

„Untertreib mal nicht, von wegen!

Du verwöhntest mit Salaten

Jedes Fest im Kindergarten!“

„Hör bloß auf, mich so zu loben,

Sonst werd ich noch abgehoben.“

 

Wir umarmen uns am Schluss,

Weil man schließlich weiter muss.

Das Gespräch ist lang geraten,

Ich vergaß glatt die Tomaten.

Mensch, die musste viel erzählen,

Hätte ich allein zu wählen,

Wäre ich schon lange fertig;

Ich bin närrisch gegenwärtig,

Muss mich wirklich nun beeilen,

Darf hier keineswegs verweilen,

Kurz zurück, Tomaten kaufen,

Dann zum Auto schnellstens laufen...

Ruhig Blut, was dauert´ s so lange?

Wieder diese Autoschlange!

 

Ich vergaß doch glatt den Fisch!

 An der Theke, täglich frisch...

 

 

 

Stabgereimtes

 

Für Kleister gleiche Klöße Klümpchen

Und klitzekleine Klippfisch Stückchen

stibitzte ich bei dem Chinesen

die kleinbedruckten China – Stäbchen,

um stumm klugscheißend in dem Stübchen,

(nicht etwa Kleinkariertes kritzelnd,

doch stur, bestimmt kein Kinkerlitzchen!),

klammheimlich Klänge zu kreieren,

um Stabgereimtes zu kredenzen!

 

 

 

Ausstellung

 

In einem Freundeskreis von viermalklugen Frauen                   

Beschließen wir recht oft, uns etwas anzuschauen.

Wir haben heute vor, uns kulturell zu bilden:

Es sind auf dem Programm die alten neuen Wilden.  

(An sich ist es egal, wie sie sonst alle heißen,       

Wir werden eh die Namen durcheinander schmeißen.) 

Das Ausgestellte soll dem Anspruch voll genügen,

Wir wollen uns dezent an schöner Kunst vergnügen,

Im edlen Ambiente großspurig stolzieren

Und leise Sätze klug am Fließband produzieren.   

 

Ich gehe durch die hohen Räume ohne Eile,

Betrachte weit verstreute Bilder eine Weile.

Beinahe jedes Bild wirkt klein auf großen Wänden,

Als wären nicht genügend Werke in Beständen.

Dafür nicht konzipiert, muss jedes Stellung halten,

Vereinnahmt zuviel Raum, um Wirkung zu entfalten.

Vereinzelt gibt es richtig große Exponate,

Die Räume sind jedoch zu klein für die Formate.

Es ist unmöglich, sie im Ganzen zu erfassen,

Man muss sich auf das Fragmentarische verlassen.

So Manches hängt zu hoch für meine kleine Größe,

Doch tu ich fasziniert und zeige keine Blöße.

(Ganz so, als wäre ich gefesselt von der Farbpracht,

Die einzige, der die Entfernung nicht viel ausmacht).

Viel lieber würde ich ganz anders davor stehen,

Mal klein, mal groß, wie Alice, alles näher sehen,

Es würde nicht in mir Gefühl von Ohnmacht wecken,

Ich müsste nicht den Kopf zu weit nach oben recken.  

Was mir da doch entgeht ganz ohne meine Brille!

Ich bleibe dennoch stehen und genieß die Stille...

 

 

1.

 

Und höre, wie zwei Leute leicht abseits diskutieren,

Die Frau ergreift das Wort, fängt an zu explizieren.

Vom Redefluss ist sie mitnichten abzulenken,

Zur Lage in der Kunst gibt es viel zu bedenken:

„Modernste Kunst besitzt nur mangelndes Vertrauen,    

Die Zeitgenossen sind deswegen zu bedauern.             

Sie folgen im Geschmack den Wegweisern und Schildern                     

Und hängen Poster auf von anerkannten Bildern,          

Von Expressionisten, Van Gogh und Futuristen,

Abstrakten, Dadaisten oder Surrealisten.“

(Sie scheint, die vielen Stile bunt gemischt zu wählen,

Ich fürchte schon, sie wird von diesen mehr erzählen).

Doch sie sinniert schon weiter: „dass die breite Masse,

Zurecht die Finger von Originalen lasse,

Wer wählt das Richtige? Wer will den Schund durchkämmen?   

Wer will sich gegen Zweifler eigner Meinung stemmen?  

Nur wenige besitzen so viel Selbstvertrauen

Und sind naiv genug, auf ihr Geschmack zu bauen.      

Die Meisten wissen eh von Kunst nicht blassen Schimmer   

Und Zweifler in der Welt, die gibt es einfach immer.“ 

Ihr Partner wagt es doch, sich auch mal einzubringen,

Verdruss lässt seine Stimme weit vernehmbar klingen:

„Es ist interessant, den Leuten zuzuhören,

Wenn sie auf den Geschmack und Kultiviertheit schwören.

Stets kritisch, wissen sie zwar nichts genau zu sagen,

Doch können sie Kritik noch weniger ertragen.

Die Ignoranz gehört zu ihrem eitlen Wesen,

Sie meinen, ihr Geschmack sei überaus erlesen,

Begeistert sagen sie: ´es hat mir gut gefallen`

Und ´dieser Künstler kann ganz ausgezeichnet malen`.

Sie wollen sich nicht mit der Urteilsfindung schinden,

Das macht nichts, denn es geht zunächst um ihr Empfinden.

Ich frage mich, wann wird uns diese Sitte nerven,

Den Kunstwert und Geschmack in einen Topf zu werfen?“

 

2.

 

Ich denke nur, wenn es so weiter geht, dann schreit er

Und suche nach der Stille ein Paar Bilder weiter.

Die Mitte von dem Raum besetzen zwei Gestalten,

Die sich mit leisen Stimmen ernsthaft unterhalten.

Die Männer möchten nicht, dass ihre Worte schallen,

Gestikulieren wild jedoch, um aufzufallen.

Die Beiden wirken fitt, sind ältere Personen,

Den Anzugträger könnte man beliebig klonen,

Den Zweiten aber möchte ich sogar skizzieren,

Er sitzt, als wollte er Rodin gleich parodieren.

Ein Denker ohne Zweifel, lange, graue Haare,

Im Ganzen schmuddelig, doch trägt er feinste Ware,

Ein Teil von Hilfiger, ein Teil von Marc O`Polo,                               

Ein Intellektueller, keineswegs ein Prolo.

Er scheint den Werken Aufmerksamkeit zu schenken,

Doch lässt sich nicht dadurch von dem Gespräch ablenken.

Der Inhalt ist gewidmet immer gleichen Dingen,

Die passend formuliert natürlich logisch klingen:

„Kriterien für die Kunst kann keiner mehr benennen,

Kein Mensch kann ein Genie an seinem Werk erkennen.

Die Masse glaubt ganz fest an Urteil von Experten,

Die es mitnichten schaffen, Werke zu bewerten.    

Ich wollte mal vom ´Fachmann` etwas schätzen lassen 

Und konnte das Ergebnis überhaupt nicht fassen:    

Man lässt die Urteilskraft durch Listenpreis ersetzen

Und weiß die Qualität samt Preis nicht einzuschätzen! 

Die Kunst hat es geschafft, die Regeln abzustreifen,

Und Jeder kann bequem nach Künstlertitel greifen.

Dem Künstler wird man nie Versagen unterstellen,

Denn Schwäche könnte sich aus einer Absicht pellen.

Ist falsch Anatomie, ´mit Absicht!` - so die Meinung,

Es zeugt vom Unverstand, (eine Begleiterscheinung),

Wenn man es wirklich wagt, den Fehler zu erwähnen:

Man gilt als ignorant und ist voll abzulehnen!

Doch ist ein Gegenstand als richtig zu erkennen,

Spricht man von Meisterhand und darf sich Meister nennen.

Ist man geschickt darin, gewinnt man Selbstvertrauen,

Kann seine Überzeugungen auf Lügen bauen.“

 

3.

 

In meinen Hörbereich marschiert ein junges Pärchen,

Er lässt an einem Bild kein noch so gutes Härchen.

Er findet es zu bunt, zu süß, zu oberflächlich,

Und spricht von reinstem Kitsch und schnaubt dabei verächtlich:

„Wo sind hier die Ideen, wo kritische Ansätze?“

Und zu dem Katalog: „das übrige Geschwätze!:

' Hier treten Einflüsse von Munch voll in Erscheinung`...

Dazu fällt mir nur ein: da bin ich gleicher Meinung!.

Sie labern hier vom Ausdruck ausgestellter Werke,

Tatsächlich, sie vermitteln ganz bestimmte Stärke:

Bei Munch verschmilzt der Schrei mit Seelenquälereien,

Hier aber findet man die Gründe für das Schreien!“

Sie wirft ganz zaghaft ein: “Das ist durchaus ganz stimmig...“

„In echt jetzt? Es ist alles Kitsch!“ verneint er grimmig.

Es ist nicht mal abstrakt, will der mit Können protzen?

Das Bild ist schauderhaft und bestenfalls zum kotzen!

Die Kunst muss Zeichen setzen, Menschen inspirieren,

Es muss ein Künstler stets was Neues ausprobieren,

Das, was du hier erblickst, hat man schon oft gesehen,

Nicht Können ist die Kunst, das musst du doch verstehen?“

Sie nickt und bringt sich ein mit ähnlich klugen Sätzen...

Er meint: „man müsste sich für neue Kunst einsetzen,

Nicht Jeder zeigt für Kunst ein wirkliches Verständnis,

Die Kunst, sie müsste raus, aus kleinlichem Gefängnis!“

 

4.

 

Im nächsten Raum sitzt eine dieser alten Damen,

Die regelmäßig in die Galerien kamen.

Sie hockt allein, ganz klein und stumm auf einer Kante.

Ach, wäre sie doch seelische Verwandte!

Sie ist in heitere Betrachtungen versunken,

Als wär ein Bild genug, als mache es sie trunken,

Als hätte sie die Türchen außen rum verriegelt,

Damit sich nur ein Bild in ihren Augen spiegelt.

Und sie erinnert mich an Menschen, die so waren:

In einem Atelier, es war vor vielen Jahren,

Da stand ein altes Ehepaar verzückt vor manchen Bildern,

Sie glichen zwei vergnügten, unbeschwerten Kindern.

Bei einem Bild, da kamen sie sofort ins Schwitzen,

Sie wollten ´Mädchen auf dem Schaukelpferd` besitzen

Und holten nur noch Geld für Abbild ihrer Träume

Und sahen nichts mehr an, verließen still die Räume.

 

5.

 

Nach meiner ersten sorgfältig gemachten Runde,

Es dauerte in etwa eine halbe Stunde,

Gelingt es mir, mich unsren Frauen anzuschließen.

Nachdem sie mich so lange Zeit in Ruhe ließen,

Will jede nun von ihren Eindrücken berichten.

Es ist nur ratsam, all dem Lob gleich beizupflichten.

Denn niemals wissen wir die Bilder gleich zu schätzen,

An allem hat man stets mal etwas auszusetzen:

Bei dem Gemälde, das Katrina so schön findet,

Gefällt der Inge nicht, dass das Sujet verschwindet;

Der Mira ist bloß eine Zeichnung sehr sympathisch,

Doch die empfindet Kati als banal schematisch;

Und Inge ist von einem Aquarell begeistert,

Bei dem der Künstler wohl den Farbenfluss schlecht meistert,

Die Farben sind für nass-in-nass zu stumpf geraten,

Wodurch sie Korrektur am Bild en masse verraten;

Die Bilder aber, die mir selbst so gut gefallen,

Sind viel zu düster für die weißgetünchten Hallen.

Auch wenn sich die Geschmäcke auseinander treiben,

Sind wir uns dennoch darin einig, noch zu bleiben.

Wir schaffen es, uns bald schon wieder zu verstreuen

Und ich kann mich erneut an den Besuchern freuen.

 

6.

 

Minutenspäter sehe ich im nächsten Zimmer

Gleich ganze Horde Kinder – es wird schlimm und schlimmer:

Sie schaffen es mit links, den Raum ganz zu blockieren

Und sich auf Kosten anderer zu amüsieren.

Die hellen Stimmen hallen von den kahlen Wänden,

Wann wird man den Exkurs durch diesen Ort beenden?

Zwar muss ich da hindurch, um nächsten Raum zu sehen,

Bleib dennoch lieber mittendrin zuhörend stehen.

Obwohl sie sich nur lauthals gegenseitig stören,

Verspüre ich den Wünsch, zu ihnen zu gehören.

Was ihre Lehrkraft sagt, scheint Keiner zu begreifen,

Sie ist dabei, von ihrem Thema abzuschweifen:

„Man findet in der Kunst verschiedene Tendenzen,

Nicht mal die Fachwelt kann die Bilder richtig schätzen.

Was sagt ein Pinselstrich und was bedeutet Duktus?

Verbirgt sich in der Kunst als Selbstzweck nicht ein Trugschluss?

Erwähnt noch jemand Zen - ist das ein Meditieren,

Wenn Künstler jeden Strich unsicher ausradieren?

Ist Komposition ganz willkürlich zu setzen      

Und darf man ein Gefühl des Gleichgewichts verletzen?

Wozu die Farbenlehre? Weg mit all dem Wissen

Von Spektren und Kontrasten, die wird keiner missen!

Wird PUNKT UND LINIE ZU FLÄCHE je inspirieren?

Wird irgendwelches Manifest je triumphieren?

Wenn jene Meister wüssten, als sie Zeichen setzten.

In welchen Abgrund sie Kultur und Künstler hetzten?“...

War ich hypnotisiert? Ich kann mich endlich rühren

Und kämpfe mir den Weg frei zu den nächsten Türen.

 

7.

 

Zwei bunte Vögel machen Konkurrenz den Bildern.

Den Kleidungsstil kann man als schrill und poppig schildern. 

Es ist schwer einschätzbar, ob sie dem Trend entsprechen,

Ob sie individuell mit allen Normen brechen.

(Zwar hab ich von der Mode keine blasse Ahnung,

Doch komm ich näher mit dem Katalog als Tarnung.

Ich würde solche Kleidung nie im Leben tragen,     

So etwas bloß in eigenen vier Wänden wagen).

Nach kurzem Lauschangriff und spannenden Momenten

Bin ich mir ziemlich sicher: es sind Kunststudenten.

Der Bursche zeigt an Bildern wenig Interesse,

Ich ´lese` und er spricht, als hielte er die Messe                                    

Und regt sich ziemlich auf: ihn nerven Professoren,

sie hätten allesamt sich gegen ihn verschworen:

„Was glaubst du wohl, wonach sie die Studenten wählten,

Nachdem sie ´Essen` als das Prüfungsthema mailten?

Es malten Völlerei und Magersucht  die Meisten,

Und Manche malten Dinge, die sie gern verspeisten.

Nur Einem fiel es ein, Stadt Essen zu gestalten,

Das Bild war einzigartig unter den gemalten,

Darauf hat Jeder Proff ganz vehement geschworen,

Dabei war jener Typ in Essen bloß geboren.“

Und weiter in dem Text, erläuternd die Verkettung,

So engagiert, als ginge es um Robben – Rettung:

„Stell dir mal einen Künstler vor, bleib mal realistisch,

Wie er auf alte Werke schaut, ganz pessimistisch,

Es kann nur etwas Neues sich mit diesen messen,

Und hat er`ne Idee, ist er von ihr besessen.

Dereinst originell, wagt er nie neue Sachen

Und bleibt bei seiner Art, das selbe Zeug zu machen.

Es muss einmalig wirken, etwas präsentieren,

Was nur in ein Konzept passt, leicht zu imitieren.

Man wird allmählich stumpfer, muss sich ewig quälen,

Es hängt zum Halse raus, das Selbe zu erzählen.

Den Neuanfang riskieren, um doch auszusteigen?

Man hat doch eignes Werk als Einheit vorzuzeigen!

Man bräuchte sein Gehirn nie wieder anzustrengen,

Gesteckte Grenzen eigner Kunst nicht mehr zu sprengen!“

Die Kunststudentin hat nicht viel dazu zu sagen,

Doch viel Beredsamkeit ist stets zu hinterfragen:

„Ob Zufall oder Wille, Gründe sind hier nichtig,

Originalität ist heute eben wichtig! 

Nicht jeder muss Geduld mit seinem Werk verlieren,

Das Tun an sich kann man geduldig zelebrieren,

Das Schaffen wird zur reinsten Form von Meditieren!“

 

8.

 

Ein junges Mädchen nähert sich beschwingt den Beiden.

Vergleicht man sie mit ihnen, wirkt sie sehr bescheiden

Und fällt nicht auf, trägt Jeans, ein T-Shirt voller Falten.

Sie wenden sich sogleich ihr zu, leicht ungehalten:

„Hast du gefragt? Stellt man uns aus? Wird man uns wählen?“

„Vielleicht, doch müssten wir uns durch Instanzen quälen.“

„Als Künstler bist du hier, in Deutschland aufgeschmissen,

Wirst überall von Jedermann zu gern beschissen.“

„Man kann sich, ist man unbekannt, kaum etablieren.“

„Am Kunstmarkt lässt sich dieser Umstand gut studieren:

Die Fördermittel schrumpfen, bis sie ganz verschwinden,

Die Kunstmäzenen sind zur Zeit kaum aufzufinden.“

„ Es bleiben noch die öffentlichen Räumlichkeiten,

Man stellt dort gerne aus.“ – „Doch nur Persönlichkeiten!“

„Mit Galeristen könnte man privat mal sprechen.“

„Ihr wisst, ein Künstler bietet viele Angriffsflächen,

Denn es ist leicht, ihn mitten in sein Herz zu treffen,

Man braucht ihn nur mal kritisch anzukläffen.“

„Es ist ein Kinderspiel sein Ego zu verletzen,

Man hat nur süffisant ein Lächeln aufzusetzen.“

„Als Galerist sitzt man am ziemlich langen Hebel,

Schnauzt einen Künstler an, wie irgendein Feldwebel!“

„Es bieten sich für Arroganz zig Möglichkeiten...“

„Die Galeristen suchen nach Gelegenheiten,

Zu zeigen, dass sie nichts von jungen Künstlern halten,        

Es gibt genügend alte Bilder zu verwalten.“

„Es ist ein Witz, sich wie ein Frosch so aufgeblasen,

Nichts sind sie ohne uns und rümpfen doch die Nasen!“

 

9.

 

Ein Mann sitzt auf der Bank gekrümmt, wie eingefroren,

In der Betrachtung einer Bildlandschaft verloren.

Er ist so unbewegt, als würde er posieren.

Ich will die Dinge sehen, die ihn faszinieren.

Da könnte ich gleich seinen Rücken Lügen strafen,

Der alte Mann war bloß im Sitzen eingeschlafen!

Ein Schlafender kann Einen wirklich inspirieren,

Man kann in ihn hinein ganz viel interpretieren:

War jene alte Dame seine Ehegattin?

War seine Liebe stärker, als ihr Ring aus Platin?

Vielleicht erweckte Kunst in ihm kein Interesse

Und er besuchte lieber Oper oder Messe?

Und saß hier, weil sie alles nur gemeinsam machten?

Vielleicht war er zu müde, Bilder zu betrachten?

Doch denkbar wäre auch: er war allein gekommen,

Begeistert war er von den Bildern so benommen,

Dass pure Langeweile ihn ganz übermannte

Und er, vom Schlaf erlöst, sich wunderbar entspannte.

 

                                    *

 

Zum Abschluss sitzen wir in einer Bar zusammen,

Tun kultiviert, denn heute sind wir feine Damen.

Zunächst wird noch all das Gesehene besprochen,

Doch wird es bald durch Vorurteile ausgestochen.

Bei einem Gläschen Wein und griechischen Gerichten,

Erzählt man sich, bezogen auf die Kunst, Geschichten.

Van Gogh mit seinem Biss ins Ohr ist exemplarisch

Für allgemeine Meinung, Künstler seien tragisch.

Als Künstler muss man eben was Verrücktes machen -

Wir haben generell nichts gegen irre Sachen.

So sollten Künstler etwas ganz saloppes tragen

Und mehr, als bloß Gardinen wegzulassen, wagen.  

Als Künstler muss man halt durch Vorurteile waten

Und  darf nicht irgendwie in Laien – Ruf geraten:

Entstehen viele Werke, dann gewiss vom Fließband,

Zu wenige, beweist man laienhaften Missstand;

Verdienst wird überschätzt, für Künstler, Künstlerinnen

Ist nur erstrebenswert, Berühmtheit zu gewinnen,

Denn lebt man von der Kunst, kann es Kommerz verraten -

Verdient man nichts daran, dann traut man nicht dem Braten;

Ein Künstler hat das Los, am Hungertuch zu nagen,

Und Früchte kann sein Werk nur nach dem Tode tragen.

Doch nach und nach erschöpfen sich dergleichen Themen,

Das Interesse gilt den häuslichen Extremen.

 

Der Nachmittag erwies sich als soweit ergiebig,

Dass man ihn wiederholen könnte, oft, beliebig.

Die Quintessenz: zu viert war alles amüsanter,

Man geht zufrieden auseinander... und entspannter.

Ob man sich bildet beim Belauschen von Gesprächen?

Ist ein Gebildet-wirken-wollen ein Verbrechen?

Auch wenn ich heute nichts mehr auf die Beine stelle:

Was für ein Abenteuer ohne Zwischenfälle!       

 

 

 

Ein alltägliches Sonett

 

Worüber wird denn oft und gern geklagt?

Was regt uns an, was regt uns auf, uns Frauen?

Das Putzen, oder Haare, die ergrauen,

Das Wetter etwa, das uns nicht behagt?

 

Worauf sind wir so stolz, dass es uns plagt?

Geschick und Taten, an die wir uns trauen,

Beziehungen und Kinder, noch so schlauen?

Was ärgert immer, noch ´so nett` gesagt?

 

Man könnte Einiges thematisieren,

Mal über dies, mal jenes diskutieren...

Doch Niemand schlägt dem Mond vor, abzunehmen!

 

Wohlwollend wird er nachtsüber betrachtet,

In jeglicher Gestalt still angeschmachtet,

Für sein Gewicht braucht er sich nicht zu schämen!

 

 

 

Geburtstagsgeschenk

 

Obwohl so viele Jahre schon verstrichen,

Hat es mich überraschend kalt erwischt:

Das Alter hat sich heimlich angeschlichen.

 

Ich fühlte mich noch jugendlich erfrischt

Und schwebte in der siebten Hemisphäre,

Da hat mein Mann es reizend aufgetischt.

 

Nicht, dass es etwa überraschend wäre,

Ich wusste doch, dass ich gealtert bin

Und er erwähnte es in schönster Atmosphäre.

 

Erst sah ich in den Worten keinen Sinn,

Sie haben mich ein wenig überrumpelt:

Ich war vertieft, sie klangen mittendrin...

 

Gedächtnis war mit einem Schlag entrümpelt,

Die Überraschung färbte mein Gesicht,

So bin ich der Erkenntnis nachgehumpelt.

 

Das Ganze schien in einem neuen Licht:

Wir feiern zwar Geburtstag, und zwar jeden,

Doch übereifern wollen wir uns nicht!

 

Deswegen ließ er sich leicht überreden

Und zeigte nicht geringsten Widerstand,

Wenn möglich, meidet er doch solche Läden!

 

Ich ahnte nichts, er hat darauf gebrannt,

Mich in die Schmuckabteilung zu begleiten,

Wo sich ein passendes Geschenk befand.

 

So etwas kann ihm keinen Spaß bereiten:

Er steht nur abseits wie ein Bodyguard

Und ich erledige die Kleinigkeiten;

 

Denn zeige ich ihm Dinge schönster Art,

Dann sprechen Blicke voller Gleichmut Bände,

Er findet alles insgesamt apart;

 

Begutachte ich sämtliche Bestände,

Bleibt er bloß stehen, stets zur Flucht bereit,

Und starrt am liebsten auf die nackten Wände.

 

Doch diesmal stöberten wir hier zu zweit!

Ich wollte, arglos, Spaß mit ihm erleben,

Es war unglaublich, denn er nahm sich Zeit!

 

Da sagte er im artigsten Bestreben:

„Du wirst doch heuer fünfzig Jahre alt,

Es wäre möglich, mehr noch auszugeben“...

 

Und ich war sicher, vierzig wäre bald!

 

 

 

mein 50... igster

 

fünfzig rosen

fünfzig kerzen

fünfzig runden

um die sonne

 

eins im herzen

 

 

 

Geburtstagsfeier

 

Ich will mich nun verändern, wie ich sagte,

Es wird gefeiert wie noch nie zuvor,

Denn, der gewinnt nichts, der nichts Neues wagte.

 

Frei nach dem Motto: ´Machet auf das Tor!`

Ich lausch dann einer ewig gleichen Leier,

Die solch ein Anlass früher schon beschwor.

 

Ich brauch dafür nicht irgendwelche Flyer,

Auch Smartphon nicht, es reicht ein Telephon,

Es kommen acht Personen zu der Feier.

 

Zum Abendbrot...am Freitag... heute schon?

Ich will mit meinen alten Sitten brechen

Und ich verspreche mir sehr viel davon:

 

Ich überwinde meine alten Schwächen

Und halte allen Mitleidsblicken stand,

Um einmal laut mein Alter auszusprechen.

 

Es hilft zuweilen, bricht man durch die Wand,

So lässt das Thema sich danach vermeiden,

Geschickt gehandhabt mit der leichten Hand.

 

Man braucht es später nie mehr anzuschneiden!

Es stehen bald die Gäste vor der Tür,

Ich will mich angemessen schick bekleiden.

 

Die neue Kette? Ja, ich bin dafür!              

Es ist so weit, die Hürde wird genommen,

Ich habe es untrüglich im Gespür.

 

Es klingelt und ich eile: „Seid Willkommen!“

 

 

 

Tanz auf dem Seil

 

ein dünnes seil

eine schnur

ein strich

punkt

 

darauf balanciert sie

kleine schlafwandlerin

 

schutz - engel gewonnen

durch blindes vertrauen

 

ohne augen

ohne angst

ohne

 

 

 

Schreibblockade

 

wieder verschwendet: die Zeit mit einem Buch

 

nicht mit einem besonderen Exemplar:

keine Erstausgabe und nicht signiert

kein Büttenpapier oder Ledereinband

 

nicht mit einem qualitativen Inhalt:

weder sehr lehrreich noch informativ

keine tiefen Gedanken oder so

 

keine gehobene Unterhaltung:

nichts für das Herz oder den Nervenkitzel

kein gefälliger Almanach oder so

 

noch nicht einmal dünn gebunden und Schund:

keine Horror – und Arzt – Liebesromane

tief unter dem Edgar –Wallace –Niveau

 

nur eine Möglichkeit eines Buches:

einige durchgestrichene Zeilen

und unschuldig - liniertes - weißes Papier